Hans Martin Erhardt (Vorwort von), Almut Quaas (Autor / Autorin)

Weißt Du noch, Mamachen?

Ein Abschied

Diese Folge von Zeichnungen ist etwas ganz Ungewöhnliches; sie ist bemerkenswert durch den Anstoß zu ihrer Entstehung und die künstlerische Bewältigung der überaus heiklen Aufgabe. Inhalt ist der Abschied eines Menschen von der ihm am allernächsten stehenden Person – der Abschied einer Tochter von ihrer verdämmernden Mutter. Vom Gegenstand her gesehen muss dieses Vorhaben ganz nah am Scheitern liegen, derart von Gemütswerten überfrachtet ist es. Doch Almut Quaas exponiert sich ohne Scheu. Mit großem Mut und Selbstvertrauen begabt, scheint sie wohl erwogen zu haben, das Risiko einzugehen, sich zu erwartenden Missverständnissen auszusetzen. Damit stellt sie sich, Verbindlichkeit schaffend, einer in der gegenwärtigen Kunstwelt weit verbreiteten Geistesdürre entgegen. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit den wesentlichen Dingen des Lebens führt sie uns eine glaubhafte, das ist: eine authentische Äußerung vor Augen. Allzu vieles, das uns dieser Tage als beispielgebend wertvoll präsentiert wird, ist Dekoration, schlimmer noch: Spekulation. Almut Quaas besitzt die Fähigkeit, sich davon freizuhalten. Liebe, Dankbarkeit, Abschied nehmen sind Bewegungen des Gemütslebens und kaum als Thema für die Übersetzung in die Sprache der bildenden Kunst geeignet: diese gehört der Sinnenwelt des Sichtbaren zu. Ganz selten und nur ganz Großen – Albrecht Dürers Kohlezeichnung seiner alten Mutter und gewisse Zeichnungen der Käthe Kollwitz wären hier zu nennen – ist es gelungen, derart Ungreifbares in die Fläche eines Zeichenblattes zu abstrahieren. Als rein dem seelischen Erleben Entspringendes wäre es eigentlich dem Wort anheimgegeben.
7,00 CHF
Verfügbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bestellnummer: 9783451307409
ISBN/EAN: 9783451307409
von: Hans Martin Erhardt (Vorwort von), Almut Quaas (Autor / Autorin)
Verlag: Verlag Herder
Produktart: Buch
Einbandart: Hardcover
Auflage: 888
Sprache: Deutsch
Umfang: 48 Seiten
veröffentlicht: 11.10.2012
Illustration: 14
Abmessungen: 18.5 x 16.5 cm

Diese Folge von Zeichnungen ist etwas ganz Ungewöhnliches; sie ist bemerkenswert durch den Anstoß zu ihrer Entstehung und die künstlerische Bewältigung der überaus heiklen Aufgabe. Inhalt ist der Abschied eines Menschen von der ihm am allernächsten stehenden Person – der Abschied einer Tochter von ihrer verdämmernden Mutter. Vom Gegenstand her gesehen muss dieses Vorhaben ganz nah am Scheitern liegen, derart von Gemütswerten überfrachtet ist es. Doch Almut Quaas exponiert sich ohne Scheu. Mit großem Mut und Selbstvertrauen begabt, scheint sie wohl erwogen zu haben, das Risiko einzugehen, sich zu erwartenden Missverständnissen auszusetzen. Damit stellt sie sich, Verbindlichkeit schaffend, einer in der gegenwärtigen Kunstwelt weit verbreiteten Geistesdürre entgegen. In der künstlerischen Auseinandersetzung mit den wesentlichen Dingen des Lebens führt sie uns eine glaubhafte, das ist: eine authentische Äußerung vor Augen. Allzu vieles, das uns dieser Tage als beispielgebend wertvoll präsentiert wird, ist Dekoration, schlimmer noch: Spekulation. Almut Quaas besitzt die Fähigkeit, sich davon freizuhalten.
Liebe, Dankbarkeit, Abschied nehmen sind Bewegungen des Gemütslebens und kaum als Thema für die Übersetzung in die Sprache der bildenden Kunst geeignet: diese gehört der Sinnenwelt des Sichtbaren zu. Ganz selten und nur ganz Großen – Albrecht Dürers Kohlezeichnung seiner alten Mutter und gewisse Zeichnungen der Käthe Kollwitz wären hier zu nennen – ist es gelungen, derart Ungreifbares in die Fläche eines Zeichenblattes zu abstrahieren. Als rein dem seelischen Erleben Entspringendes wäre es eigentlich dem Wort anheimgegeben.
Eigene Bewertung schreiben
Nur eingetragene Benutzer können Rezensionen schreiben. Bitte einloggen oder erstellen Sie einen Account
© VLB Demo